Kundeninfo vom November 2008
Liebe Geschäftsfreunde
Es war einmal ein Mann, der hatte sein Erspartes in Aktien einer Schweizer Grossbank angelegt. Als er zu Beginn des Jahres 07 las, dass es nicht mehr so gut stehe um gewisse Finanzinstitute, begab er sich an den Bankschalter und verlangte die Herausgabe der Wertpapiere. Fortan bewahrte er sie zu Hause unter der Matratze auf und weil er als Pensionär mit diesem Ersparten seinen Ruhestand geniessen wollte, fragte er den Wirt seines Stammlokals, ob er fortan mit diesen Aktien bezahlen könne.
Der Wirt war einverstanden, der Rentner reservierte sich einen Tisch, bestellte ein Dreigang Menu mit Kaviar, Châteaubriand und einem Soufflé Grand Marnier, begleitet von einer feinen Flasche Bordeaux. Als die Rechnung kam, hinterlegte er eine Aktie mit den Worten „der Rest ist für das Personal“, der Wirt drückte ihm die Hand und alle verabschiedeten ihn mit herzlichem Dank.
Als er nach einigen Monaten das Lokal mit seiner Aktenmappe betrat, kam der Ober an den Tisch und liess ihn wissen, dass er, falls er wieder mit so einer Bankaktie zahlen möchte, sich auf das Menu I mit einem Zweier Goron und ein Café Crème beschränken müsse.
Er war schon ein wenig erstaunt, liess den Kunstdruck liegen und zog von dannen.
Kürzlich schaute er wieder einmal in seine Beiz. Der Gastgeber rief vom entfernten Buffet: ein Sandwich und ein Glas Mineralwasser können Sie noch haben, aber dafür braucht es jetzt zwei Aktien!
Da wurde dem Mann bewusst, wie man ihn mit dieser Anlage hinters Licht geführt hatte.
Dieses kapitale Herbstmärchen soll auch meine Stellungnahme zur Finanzkrise, die eigentlich Finanzskandal heissen müsste, sein. Die Reaktionen auf mein Statement in der Oktobernummer waren gewaltig und durchwegs zustimmend, die Folge: wir haben nur noch wenige Belegexemplare fürs Archiv, der Rest der Auflage ist vergriffen, wir mussten laufend nachliefern. Wenigstens das ist für mich positiv am ganzen Debakel. - Dass die UBS gestützt werden musste steht ausser jeder Diskussion. Der volkswirtschaftliche Schaden wäre zu einem Mega-Gau für unser Land geworden.
Die Art und Weise der Abwicklung hingegen, kopflos und ohne irgend eine Bedingung an die Abzocker, war absolut dilettantisch.
Der Bundespräsident sprach von einem „guten Geschäft“ für das Schweizer Volk, dessen Hälfte der Währungsreserven auf dem Spiel stehen. Couche bien, Helvetia!
Das wärs zu diesem Thema gewesen. Wir KMUler werden weiterhin einen vollen Einsatz leisten müssen. Und beten.
Herzlichst Ihr Hubi Oetterli


