Kundeninfo vom Juli 2004
Liebe Geschäftsfreunde
Ticken wir noch richtig? Und wen meine ich jetzt mit wir? Sie und ich, die wir täglich eine volle Leistung erbringen müssen, für Bruttosozialprodukt zuständig sind, Steuern und Abgaben erarbeiten, Arbeits- und Ausbildungsplätze garantieren, oder sind es die andern, jene die nur profitieren, die nicht
wissen, dass der Mittelstand ernsthaft bedroht ist?
Vieles stimmt einfach nicht mehr in unserem Land. Ein ganz aktuelles Beispiel: die KV Lehrtochter muss noch einmal zur Englisch-Prüfung antreten, kurzfristig telefonisch aufgeboten. Grund: man hat die Prüfungsresultate verloren! Gleichzeitig vernimmt man, dass 80 % der Kandidaten die Prüfung nicht bestanden hätten, wenn man nicht die Messlatte im Anschluss an die eingegangenen Resultate runtergeschraubt hätte! Wo leben wir eigentlich? Waren diese Lehrlinge etwa zu oft im Partytempel und wurden dort zu arg gestresst? Die letzten Zeugnisnoten unserer Lehrtochter waren schlecht und wir haben sie deshalb gerügt. Nach ein paar Wochen kam eine Meldung: man hätte viele Noten verwechselt, es würden neue Zeugnisse geschrieben. Wo sind da die Vor- und Nachbilder? Warum wohl werden wir keine Lehrlinge mehr ausbilden?
Anderes Thema: die Bauwut grassiert im Grossraum Solothurn. Es gibt eine neue Brücke für die Stadtumfahrung und die architektonisch einzigartige Rötibrücke – eine Glanzleistung der Ingenieurkunst der 30er Jahre - könne nicht mehr saniert werden, sie wird abgerissen und durch eine neue ersetzt, und dann gibt es auch noch eine dritte, so genannte Velobrücke, da dürfen aber sicher auch die Töfflis drüberflitzen. So weit so gut, wer ist schon gegen den Fort-Schritt? Wieviele Millionen das Ganze kostet kann heute noch niemand sagen, aber eines steht fest: für die Schrebergärtner bleibt nichts mehr übrig. Sie haben auch keine Lobby. Zwei Drittel von ihnen haben schon die Kündigung für ihre Gärtli und Lauben auf der Stadtallmend erhalten. Im Brühl wurde zwar Ersatzland eingezont, es fehle aber das Geld für die Erschliessung. Für eine neue „Kulturfabrik“ kamen in kürzester Zeit etwa drei Millionen zusammen, zB. Gelder aus dem Lotteriefonds, für die Schrebergärtner findet man keinen Kredit.
Und dann wäre da noch die Bauernfamilie Lehmann, eine der letzten in Solothurn. Ihnen will man 16'000 m2 bestes Kulturland wegnehmen, um ein „Naturschutzgebiet“ einzurichten. Sie drohen mit dem Fällen von 100 Hochstamm-Obstbäumen. Verständlich? Als Ersatz sollen sie minderwertiges Land erhalten, vorgeschlagen wurde der ehemalige „Stadtmist“, ein Areal mit Altlasten das in den nächsten Jahrzehnten noch zu reden geben wird, es gab auch schon Erkrankungen bei Kühen, die auf dieser Wiese Gras gefressen hatten...wäre nicht dieses Areal ideal, um es zu renaturieren? Auch hier tickt es. Es ist eine Zeitbombe unter der Erde. Kölliken lässt grüssen. Aber jetzt wollen wir zuerst einmal bauen, irgend jemand wird alles irgend einmal bezahlen...müssen.
Herzlichst bis zum nächsten Mal
Ihr Kleinunternehmer & Einzelkämpfer Hubi Oetterli


