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Kundeninfo vom August 2003

Liebe Geschäftsfreunde

Selber schuld, warum bin ich hingegangen? Die Stadt Solothurn soll im Jahr 2006 umfahren werden, deshalb braucht es eine neue Brücke. Nachdem das Projekt an der Urne genehmigt wurde (Erhöhung der Autosteuern) brauchte es dann plötzlich noch eine zweite Brücke für Velos und Fussgänger, aber lassen wir das. Es gab eine Ausschreibung und einen Projektwettbewerb, drei Arbeiten kamen in die Endrunde. Jetzt hat die Jury entschieden und zwar nicht zu Gunsten des ästethisch ausgewogenen und harmonisch in die Landschaft passenden Modells, nein, ein hässlicher Betonklotz, man fühlt sich in die Siebzigerjahre zurück versetzt, wurde mit dem 1. Rang ausgezeichnet. Ob es wohl ein Zufall ist, dass das filigranste und architektonisch ausgewogenste Projekt von einer Projektgruppe von Architekten und Ingenieuren aus der Region stammt und wohl daher keine Chance hatte? Nicht nur bei den Aufträgen der Busbetriebe der Region erhält der führende Carrosseriebetrieb in Bellach, der die Verkehrsbetriebe Bern, die Post usw. mit Bussen beliefert, den Auftrag nicht, sondern auch der grösste Kaffeeauftrag des Kantons geht bekanntlich an einen ausserkantonalen, bzw. ausländischen Anbieter.

Nun war ich eben in dieser Ausstellung in der Aula der gewerblichen Berufsschule, und habe die Projekte genauer angeschaut. Trotz grosser Hitze und Ferienzeit hatte es viele Besucher und Besucherinnen, teils Fachleute, teils Leute aus dem tumben Volk, und man hörte nur einen lauten Kommentar: "Warum lassen wir uns dies eigentlich bieten? Wer startet da eine Unterschriftensammlung?" Das Urteil der hochwohllöblichen Jury scheint sakrosant, der Regierungsrat will hier nicht mehr eingreifen, die 80 Millionen werden zum grössten Teil ausserkantonales Bruttosozialprodukt erzeugen. Ein kleines Detail: das ausgewählte Objekt ist prädestiniert für Sprayereien, weil es Aussenmauern in Sichtbeton aufweist. Das gibt einen Touch von Welt für die schönste Barockstadt der Schweiz.

Jetzt bin ich mit meinen Betrachtungen schon am Ende. Ob ich Ihnen den Besuch der Ausstellung empfehlen soll? Sicher, wenn auch Sie das Spiel lieben "Mensch, ärgere Dich nicht!"


Herzlichst bis zum nächsten Mal

Ihr Kleinunternehmer & Einzelkämpfer

Hubi Oetterli


Diesen Artikel habe ich am 21.7. verfasst, bevor die ganze Entrüstungslawine durch die Lokalpresse losging.
Noch darf man also hoffen.

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