Kundeninfo vom September 2004
Liebe Geschäftsfreunde
Lassen Sie mich einmal ein paar Zeilen schreiben, die nicht von meinem Alltag als Kleinunternehmer & Einzelkämpfer handeln, obwohl sich wieder einiges angesammelt hat in Sachen Bundesbern (Stichwort „Zollaufhebung“) oder Regional (Stichwort Abwassergebühr Prozesswasser, hängig beim Amt seit 18.6.04). Nein, ich will hier einmal eine Persönlichkeit vorstellen, die für mich ein grosses Vorbild ist. Ich weiss, dass er die lauten Töne nicht mag, vermutlich wird er mich nach dem Lesen dieser Zeilen anrufen und sagen „Dir erzähle ich nicht mehr alles!“ und dennoch finde ich es erwähnenswert. Es handelt sich um Dino Arici. Er ist der Vater des legendären Classic Open Air, eine kulturelle Grossveranstaltung, die jeden Sommer ein Glanzlicht im kulturellen Leben der Ambassadorenstadt darstellt und eine immense positive Ausstrahlung hat. Ich kenne Dino Arici seit meiner Jugendzeit, er ist ein paar Jahre älter als ich, führte vor ca. 40 Jahren am Stalden ein Lebensmittelgeschäft mit italienischen Spezialitäten und feinen Weinen und baute von diesem Stützpunkt aus den Vertrieb der Aperitifmarke Cynar im ganzen Land erfolgreich auf. Später ging diese Marke in Cynar-Bols Zürich über, Dino wurde dort Direktor, pendelte täglich nach Zürich und plötzlich kam noch die Adelbodner Mineralquelle dazu, auch diese Marke managte Dino mit viel Erfolg. Schon als Jugendlicher war die Oper seine grosse Passion, er reiste in alle Metropolen und fand Zugang zu vielen Weltstars. Und es war eine geniale Idee von ihm, seine Leidenschaft mit der Werbung für die Produkte von Cynar-Bols zu verquicken, er lud seine guten Kunden an die Vorführungen ein und baute dieses Event zur Spitzenklasse aus.
Heute ist Dino pensioniert und widmet den grössten Teil seiner Zeit dem Classic Open Air, unentgeltlich und mit einem kleinen, erfolgreichen Team, das ebenfalls ehrenamtlich eine Riesenleistung erbringt. Denn es braucht zwei ganze Infrastrukturen, einmal Freilicht und für Schlechtwetter auch noch die Rythalle. Als ich Dino kürzlich traf, erzählte er mir ein paar Müsterli, wie auch er einen steten Kampf gegen Behörden und die ganze Bürokratie führen muss, ich hätte so etwas nicht für möglich gehalten. Die gleichen Magistraten, die an der Première mit dem Champagner-Glas im Vordergrund glänzen, lassen die Veranstalter oft im Regen stehen. Ein kleines Beispiel muss ich hier anführen: kurz vor Beginn der Spielzeit 2004 traf eine Aufforderung der kantonalen Gebäudeversicherung ein, eine ganze Sitzreihe zu entfernen, da die Fluchtwege ungenügend seien. Dies nach 16 Jahren gleicher Bestuhlung ohne jede Beanstandung! Natürlich konnte Dino Arici dieser Forderung nicht nachkommen, die Billette waren bereits verkauft und der Schaden hätte rund 50'000.- als Folge der Ausfälle ausgemacht. Also sah er dies für 2005 vor. Nun flatterte ihm ein Verfahren und eine Ordnungsbusse über 800.- ins Haus. Es ist kaum zu glauben, was sich da in Sachen „Kulturunterstützung“ abspielt.
Auf meine Aussage, wonach ich an seiner Stelle den ganzen Bettel hinschmeissen würde, hat mir Dino geantwortet: ich mache das ja für die Leute, die an diesem Anlass so grosse Freude haben und mir dies immer wieder danken.
Ist es nicht toll, dass es heute noch solch engagierte Mitmenschen gibt? Ich wünsche Dino Arici und seinen Helfern alles Gute, viel Kraft und Ausdauer im Kampf gegen die Behinderer.
Herzlichst bis zum nächsten Mal
Ihr Hubi Oetterli


