Kundeninfo November 2009
Liebe Geschäftsfreunde
Gerade habe ich dieses Kundeninfo in Angriff genommen, da kommt eine e-Mail angeflogen, gwundrig wie ich bin öffne ich und lese die Nachricht eines guten Freundes, der mir ein Thema vorschlägt für diese Kolumne, er schreibt: das Gewicht der allein in der Deutschschweiz erscheinenden vier Sonntagszeitungen beträgt ca. 1.3 kg. Er fragt sich, wie es hier um den Umweltschutz stehe, von dem in diesen Blättern so viel geschrieben wird. Ob die Verleger auch Zertifikate für einen „Co 2-freien Handel“ erwerben würden oder müssten, bei diesem Energieverbrauch: Papier, Druck, Vertrieb, Entsorgung. Ja, die Frage darf gestellt werden. Als Antwort wird man hören, dass es eben der Markt sei, es seien genügend Leser da.
Früher habe ich diese Blätter auch noch gelesen. Aber im Sonntagsblick erklärt der Vordenker von Ringier (sollte er nicht einmal nachdenken?) jede Woche, dass wir sofort der EU beitreten müssten. Die NZZ am SO hat einen Privatbankier mit ihrem Journalismus in den Ruin gebracht und wird von mir seither boykottiert, und an Stelle der Sonntagszeitung kann man auch den Tagi vom Samstag oder Montag nehmen. Lesen muss ich den SONNTAG, da ich hier als Abonnent der Mittelland Zeitung Zwangsabonnent der Sonntagsausgabe geworden bin. Bei diesem Ableger der Mittelland Zeitung interessiert vor allem das Regionale, der Rest ist Mainstream, den man in allen andern Medien auch vorfindet. Der SONNTAG vermittelt (wie die andern auch) noch die Sportresultate, falls ich am Samstag nicht TV oder Radio-Konsument war. Und alles wird ausgarniert mit viel Volumen, das am Montag in den normalen Ausgaben wiederum recyclet wird. Es genügt, am Sonntag die Schlagzeilen zu lesen, ärgern kann man sich immer noch tags darauf, wenn man zB. vernimmt, dass ein CS-Angestellter im Jahre 2008 durchschnittlich auf 264'000.- Jahreseinkommen kam, Kassiere, Lehrlinge und Putzfrauen eingeschlossen, sofern letztere nicht „ausgesourct“ wurden zu einem Stundenlohn unter 20 Franken.
Oder die grösste Treuhandfirma der Schweiz hat eine neue Werbeplattform entdeckt. Man kürt den „Entrepreneur des Jahres“ und dies gleich in neun Kategorien. Wenn man die Prämiierten näher betrachtet so fällt auf, dass es sich um drei Unternehmer/Innen und sechs „Mänätscher“, also Angestellte handelt. Da kennt der „Beste“ aller Sharholderconsulter nicht einmal den Unterschied zwischen einem Unternehmer und einem Angestellten. Ein Bäcker, ein Schreinermeister, ein Wirt, das sind zB. Unternehmer. Ein Direktor ist ein Angestellter. Auch ein Delegierter des Verwaltungsrats des grössten Schweizer Nahrungsmittelkonzerns scheint hier ein Manko zu haben. Er – Oesterreicher mit einem Jahreseinkommen von rund 40 Mio. Franken - hat kürzlich gedroht – die Firma würde das Land verlassen, falls sich die Politik erfrechen würde, Maximalhöhen für Saläre und Boni festzulegen!
Auch hier wäre es an der Zeit, dem Herrn mitzuteilen, wem sein Unternehmen in Tat und Wahrheit gehört: es sind die Aktionärinnen und Aktionäre, die Eigentümer sind und eigentlich das Sagen haben (sollten). Es ist höchste Zeit, dass diese ihre Rechte endlich in Anspruch nehmen und arrogante Führungskräfte zurecht weisen. Wäre das eine Aufgabe für die Sonntagspresse?
Auf dass sich der Nebel bald lichte! Herzlichst Ihr Hubi Oetterli


