Kundeninfo vom März 2008
Liebe Geschäftsfreunde
Es ist der 14. Februar, Valentinstag, Tag der Freundschaft und der Liebe. Dummerweise zappe ich noch kurz bei „10 vor 10“ rein. Es gibt einen Bericht über junge Männer aus Afghanistan, die von Schleppern, in Camions zusammengepfercht wie Vieh, ohne Nahrung und Wasser bis nach Griechen-land verfrachtet werden, dafür soll jeder 5'000.- $ bezahlt haben. In der Nähe eines Hafens, wo Lastenzüge auf die Fähre nach Süditalien warten, werden sie frei gelassen mit dem Tipp, sich irgendwie auf eine Fähre zu schmuggeln. Es sind unbeschreibliche, grausame Bilder: die Chaffeure der Camions spüren die Flüchtlinge eingeklemmt zwischen Chassis und Ladebrücke auf, ziehen sie hervor und prügeln sie mit Hilfe der Hafenpolizei in die Slums, dort warten sie in Bretterverschlägen auf den nächsten Tag, ernähren sich von Abfällen oder Diebesgut. Am 20. Februar bricht eine Kältewelle mit Schnee über das Land ein.
Und gleich anschliessend ein „passender“ Beitrag aus der Schweiz: das Grand Hotel Dolder steht kurz vor der Eröffnung. Der Neubau kam auf 500 Millionen Schweizer Franken zu stehen, das billigste Einzelzimmer kostet pro Nacht 850.- + Frühstück, die teuerste Suite 15'000.-, vielleicht ist hier das Frühstück inbe-griffen. Die Investition rechne sich nie, erklärt der Geldgeber Schwarzenbach. Also einfach so zum Geldausgeben wurde dieser Neubau erstellt?
Die Welt gerät aus den Fugen. Und es geht immer schneller. Ein Freund unseres Hauses hat mir kürzlich den Monatsbrief der Firma Reichmuth von Reding zugesandt. Was auf diesen zwei Seiten A4 steht, sollten alle Leute lesen müssen. Ich beschränke mich hier auf ein paar herausragende Sätze:
Es gab einmal eine Zeit, da wusste man Bescheid über die Beschaffenheit und die Herkunft von Lebens- und Genussmitteln. Der Weg vom Produzenten war kurz, die Auswahl überblickbar. Diese Nähe schuf Vertrauen.
„Globales Handeln“ liess dieses Vertrauen schwinden. Der Mensch neigt heute dazu, alles beherrschen zu wollen. Diese Haltung ist kein Nährboden für Vertrauen. So mutiert dieser Begriff immer mehr zur Münze ohne Wert – von PR Agenturen auf echt poliert, von Medien auf falsch skandalisiert. Seitdem man Gott auf Erden aus dem Spiel lässt, ist der Mensch das Mass aller Dinge.
Mit diesem kleinen Auszug möchte ich hier schliessen. Er enthält genügend Anstoss zum Denken. Oder den ganzen Januarbrief verlangen bei rvr@rvrtee.ch, Ueberschrift: Vertrauen – ein Märchen.
Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen.
Herzlichst Ihr Hubi Oetterli


