Kundeninfo vom Dezember 2005
Liebe Geschäftsfreunde
Noch nie gab es so viele Reaktionen auf einen Artikel in unserem Kundeninfo wie auf mein Editorial in der November Ausgabe zum Thema Landwirtschaftspolitik. Für mich war es besonders erfreulich, dass es bis auf eine einzige Ausnahme nur zustimmende Aeusserungen waren. Ein Leser hat mir die Rede, die Bundesrat Merz anlässlich der OLMA-Eröffnung hielt, im Volltext zugesandt und auf Parallelen aus der Textil- und Uhrenindustrie hingewiesen. Auch kritisierte er die Baulandspekulationen vieler Bauern.
Ich habe mir die Mühe genommen und die Rede von A bis Z durchgelesen. Nun muss ich mein Statement vielleicht noch verdeutlichen. Wie überall gibt es auch in der Landwirtschaft gute und schlechte Beispiele. Auch ich ärgere mich, wenn ich über Land fahre, Kühe mit amputierten Hörnern sehe, ganze Landschaften mit Plastic-Grasballen verschandelt werden, intensive Milchfabrikation mit Silofutter betrieben wird, Tierfabriken entdecke etc. Was wir brauchen, ist eine nachhaltige Landwirtschaft. Weniger Tiere (Schafsubventionen!) mehr Qualität. Artgerechte Tierhaltung, zwei Franken mehr fürs Poulet, dann kommt dieses aus der Schweiz und nicht aus China und man muss keine Grippe befürchten. Dass wir den Brasilianern Rohkaffee – möglichst nicht von ausgebeuteten Kaffeebauern – abkaufen, finde ich logisch, dass wir von dort aber auch noch Kartoffeln oder Mais beziehen ist oekologisch wie auch oekonomisch ein Unsinn. Diese Leute haben selbst nicht genug davon für ihren Bedarf. WTO und Globalisierung richten mehr Schaden an als dass sie Nutzen bringen.
Im zweiten Weltkrieg wurden in unserem Land Gärten und Parkanlagen in Aecker umfunktioniert, damit die Bevölkerung genug zu essen hatte. Schon lange her? Während ich diesen Artikel schreibe, steht in weiten Teilen unseres Nachbarlands Deutschland alles still wegen starker Schneefälle. Nichts geht mehr. Glücklich, wer noch mit Holz feuern kann.
Tragen wir Sorge zu unseren noch freien Flächen und zu unseren Bauern. Für mich sind sie wichtiger als die NEAT-Röhren, die Milliarden verschlingen. Wenn man die Appenzeller Stickerei-Industrie zum Vergleich mit der Landwirtschaft bemüht, so bleibt hier noch anzufügen: Textilien kann man nicht essen.
In diesem Sinne hoffe ich auf lernfähige und einsichtige Politiker, vielleicht im Jahr 2006?
Herzlichst Ihr Hubi Oetterli


