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Kundeninfo vom März 2004

Liebe Geschäftsfreunde

Wo treffen wir uns in der schönsten Barockstadt der Schweiz, der Stadt der Filmtage und des Classic Open Airs? Etwa im Bahnhof Buffet? Das geht noch bis zum 31.3.04. Dann machen die SBB aus Rentabilitätsgründen diesen Meeting Point, der übrigens sehr gut geführt wird und sehr gut läuft, dicht. Der Grund: die Post will sich in einem Grossteil der Räume einmieten und verlässt dafür das benachbarte Postgebäude, vor wenigen Jahren noch mit grossem Aufwand innen und aussen renoviert. Einen Wartsaal gibt es auch nicht in der Kantonshauptstadt am Jurasüdfuss. Aber es soll später eine Kaffeebar geben...dort wo heute ein privater Restaurateur und seine Frau eine Existenz haben, er hat nebst seinem Herzblut auch sein Kapital eingesetzt.
Aber Solothurn hat andere Sorgen. Man will Weltstadt werden. Man plant eine „Seminarmeile“, die Kassen von Stadt und Kanton sind zwar leer, aber die werden dann sicher prall voll sein, wenn das geplante Giga-Seminarhotel (CS Asset Invest, Ramada-Kette usw.) auf der einzigen noch verbleibenden, schönen Grünfläche am südlichen Aareufer stehen wird. Und ein paar Milliönchen in einen Kongresssaal und den Ausbau eines Patriziergebäudes verbaut sind. Hat man diesen Markt schon einmal unter die Lupe genommen? Und die Hotel-Unternehmer der Ambassadoren-Stadt, die heute schon unter einer schlechten Auslastung leiden, was sollen die tun? „Innovativ sein“ wird ihnen der Gratisratschlag erteilt! Etwa die bestehenden Seminarräume in Kebab-Stände umbauen? Mit Volldampf ins Chaos?

Eines fällt mir auf: in unserem Land regiert bei vielen Politikern und Managern der Grössenwahn. Die Realität nimmt man nicht wahr, aus der Geschichte lernt man nichts. Wachstum heisst das Schlagwort, das kann man immer einsetzen. Und vor allem ist es nie eigenes Geld, das da verbraten wird. Zudem meine Behauptung: wenn alle Befürworter der utopischen Projekte, zB. einer Seminarmeile oder NEAT, sich nur mit einer einzigen Aktie von 1'000.- aus der eigenen Tasche beteiligen müssten, dann kämen diese wahnwitzigen Fehlinvestitionen nie zustande. Und weil wir gerade bei der NEAT sind: letztes Jahr hat das Parlament 900 Mio. Nachtragskredit bewilligen müssen. Und jetzt kommt ein Begehren um weitere 700 Mio. Nachtragskredit für 2004. Doch jetzt ist etwas Sensationelles eingetreten: Man verschiebt dieses Traktandum von einer Session auf die nächste. Damit ist doch das Problem gelöst! Ach ja, die Betriebskosten, die von den SBB gedeckt würden, das wurde uns doch noch bis 2003 versprochen, das sei ein Irrtum gewesen, heisst es jetzt vom Bundesamt für Verkehr. Zur Zeit sprechen wir von 15 Milliarden NEAT-Kosten! Herrscht noch Freude? Trägt irgend jemand für irgend etwas eine Verantwortung?

In der gleichen Woche erfährt man die Spitzensaläre der Top Manager aus der Finanz- und Pharmabranche, notabene alles Angestellte, kein einziger Unternehmer. Die Bezüge schwanken zwischen 14 und 20 Mio., die Rede ist von Jahressalären und Boni in Schweizer Franken pro Person! Je mehr Leute ein Manager entlässt desto höher seine Bezüge, kein Witz sondern zur Zeit angewandte Praxis. Dabei ist doch alles bekanntlich relativ. Würden die Top Ten der CH-Manager eine „Salär-Auszeit“ von einem Jahr ins Auge fassen und diese Gelder an die Bundeskasse spenden, so wären 30 % des Nachtragskredits der NEAT vom Tisch. Aber weil das wohl kaum in Frage kommt muss man einfach feststellen, dass es bei den Managern trotz Geld, das man kassiert und gar nie ausgeben kann, ein grosses Manko gibt: Es fehlen Augenmass und vor allem fehlt es an Anstand. Auch das hätte viel mit der oft zitierten Verantwortung zu tun , kann man aber leider käuflich nicht erwerben, findet Ihr

Hubi Oetterli, Kleinunternehmer & Einzelkämpfer.

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