Kundeninfo September 2009
Liebe Geschäftsfreunde
Von den Solothurnern erzählt man die Geschichte, sie hätten beim Erschaffen der Erde auf der Schanzenmauer gesessen und dem lieben Gott gute Ratschläge erteilt. Diese Sage ging mir durch den Kopf, als ich in der Zeitung las, wie die Politiker der Stadt Solothurn die Probleme, die wegen dem „sehr hohen“ Ausländeranteil im Solothurner Weststadt Quartier auftreten, lösen wollen.
Nur für Auswärtige: die Kantonshauptstadt zählt 16'000 Einwohner, hat ein eigenes, 26 köpfiges Polizeikorps (man versprach acht weitere Polizeistellen zur Verbesserung der Sicherheit, das war vor den Ferien), beschäftigt eine vollamtliche Stadtplanerin, einen Chef Stadt-Bauaumt, Chef Hochbauamt, Chef Tiefbauamt, hat aber immerhin die Stelle einer Umweltbeauftragten nach einigen Jahren ersatzlos gestrichen. Es gibt auch noch einen Rechtsdienst und weitere Verwaltungsverwaltungen.
Im Weststadt-Quartier gibt es anscheinend Probleme wegen „zu hohem Ausländer Anteil".Dieses Problem will man jetzt wie folgt lösen: Die sich bürgerlich nennende Regierung hat beschlossen, man müsse die Stelle eines „Quartierarbeiters“ schaffen, und dann würde es keine Probleme mehr mit den Ausländern geben. Der Beschluss wurde vom Gemeinderat einstimmig (bei zwei Enthaltungen der SVP) abgesegnet. Was denken Sie, welchen Kredit man auch noch dafür genehmigen musste? Bis jetzt wurde die Zahl noch von keiner Person erraten, die ich um ihre Schätzung bat: es handelt sich um eine Summe von Fr. 210'000.- pro Jahr! Vielleicht bedarf es nebst dem Salär für den Quartierarbeiter auch noch eines Büros und einer Schreibkraft für die wertvollen Berichte, irgendwie wird man diesen Betrag schon begründen können.
Das war übrigens kurz vor den Sommerferien. Nach den Sommerferien verkündete die Stadtregierung, es stehe ganz schlimm um die Finanzen, es müsse dringend gespart werden. Allerdings nicht bei den Ausgaben, sondern unter sparen versteht man den Verzicht auf die angekündigte Steuersenkung. Und die Vollblutpolitiker sind immer auch kreativ im Erfinden neuer Ausdrücke, so spricht der Vorsitzende neuerdings von einem „negativen Selbstfinanzierungrad!“ (Prinzip = Wenn man 10 Mio. aus der Kasse nimmt, so muss man zwei Mal fünf Mio. einzahlen, damit die Kasse leer bleibt). Als weitere Sparmassnahme verzichtet man jetzt auf acht neue Polizisten, nicht aber auf den Quartierarbeiter.
Ob ich als gebürtiger Stadtsolothurner den Göttern der Stadtregierung auch gute Ratschläge geben soll? Ich lasse das lieber sein, denn es gibt Fälle, die man als absolut hoffnungslos bezeichnen muss.
Ich grüsse alle Steuerzahler, Wähler/Innen ohne Gedächtnisschwäche, Arbeitenden und normal Tickenden, das gibt es noch, ich begegne ihnen oft im Geschäftsalltag.
Ihr Hubi Oetterli


